Das Wort Vollkasko klingt nach lückenlosem Schutz. Genau dort entsteht bei USA-Mietwagen häufig eine falsche Erwartung.
Vollkasko beim USA-Mietwagen
Was CDW und LDW wirklich abdecken – und warum nach einem Steinschlag trotzdem zunächst die Kreditkarte belastet werden kann.
CDW und LDW: Was das rechtlich bedeutet
In Deutschland wird unter Vollkasko eine Kfz-Versicherung verstanden, die Schäden am eigenen Fahrzeug nach den vereinbarten Versicherungsbedingungen reguliert.
Bei USA-Mietwagen funktioniert der Schutz anders. Im lokalen Mietvertrag erscheinen Begriffe wie Collision Damage Waiver, Loss Damage Waiver oder Damage Waiver.
Diese Bausteine sind regelmäßig keine klassische Versicherung im europäischen Sinn. Der Vermieter verzichtet unter bestimmten Vertragsbedingungen darauf, den Mieter für Beschädigung, Verlust oder Diebstahl des Mietfahrzeugs in Anspruch zu nehmen.
Dieser Verzicht gilt nur innerhalb des vereinbarten Rahmens. Nicht autorisierte Fahrer, verbotene Nutzung, Alkohol- oder Drogeneinfluss, grob rücksichtsloses Verhalten und andere Vertragsverletzungen können den Schutz gefährden.
Auch die Bezeichnungen werden nicht von jedem Anbieter identisch verwendet. CDW steht häufig stärker für Kollisionsschäden. LDW oder DW kann zusätzlich Verlust oder Diebstahl einbeziehen. Entscheidend bleibt die konkrete Leistungsbeschreibung.
Was nicht immer wie ein normaler Karosserieschaden behandelt wird
Die folgende Übersicht zeigt Fahrzeugteile und Kostenpositionen, die bei USA-Mietwagen häufig gesondert geregelt werden. Die konkrete Deckung hängt von Vermieter, Tarif und Buchungskanal ab.
Bei entsprechenden Sunny-Cars-Tarifen können Schäden an Glas, Dach, Reifen und Unterboden sowie bestimmte Abschleppkosten und Schlüsselverluste als erstattungsfähige Positionen beschrieben sein.
Das bedeutet nicht automatisch, dass der lokale Vermieter am Schalter auf eine Belastung verzichtet. Je nach Vertragsmodell erfolgt die Erstattung erst nach Einreichung der vollständigen Unterlagen.
Steinschlag in den USA: Warum das Risiko real ist
Steinschläge an der Windschutzscheibe sind auf USA-Roadtrips kein rein theoretisches Risiko. Straßentrümmer, verlorene Ladung, lose Fahrzeugteile und Baumaterialien kommen auf stark befahrenen Highways regelmäßig vor.
Auf langen Interstate-Strecken teilen sich Mietwagen die Fahrbahn mit hohem Schwerverkehrsanteil. Hinzu kommen in vielen westlichen Bundesstaaten hohe Geschwindigkeiten.
Ein kleiner Stein, der von einem Reifen hochgeschleudert wird, kann bei diesen Geschwindigkeiten einen Chip oder Riss in der Windschutzscheibe verursachen.
Besondere Aufmerksamkeit ist hinter Trucks, Trailern, Pick-ups mit offener Ladefläche und Baustellenfahrzeugen sinnvoll. Auch Schotter, Splitt und unbefestigte Seitenbereiche erhöhen das Risiko.
In Berg- und Winterregionen kommt Streumaterial hinzu. Sanding Trucks und Schneepflüge können Steine und Winter-Aggregat auf die Fahrbahn bringen.
Windschutzscheibe: Warum ein Riss so teuer werden kann
Bei modernen Fahrzeugen ist eine Windschutzscheibe häufig mehr als eine Glasscheibe. Hinter ihr sitzen Kameras und Sensoren für Spurhalteassistent, Notbremsassistent, Abstandssysteme, Verkehrszeichenerkennung oder Fernlichtautomatik.
Wird die Scheibe ersetzt, muss die Kamera bei vielen Modellen anschließend nach Herstellervorgabe kalibriert werden.
Dabei reicht es nicht, irgendeine passende Scheibe einzusetzen. Glasqualität, Kamerahalterung, optische Verzerrung und Einbauposition müssen zum Assistenzsystem passen.
Bei einer statischen Kalibrierung steht das Fahrzeug in einer exakt eingerichteten Werkstattumgebung vor Kalibriertafeln oder Zielmustern.
Bei einer dynamischen Kalibrierung wird das Fahrzeug unter definierten Bedingungen gefahren, damit sich das System anhand von Fahrbahnmarkierungen und Verkehrsumgebung neu einrichtet.
HUD, Scheibenheizung, Akustikglas, Kameras und Originalglas können die Rechnung weiter erhöhen. Dadurch wird aus einem kleinen Steinschlag schnell ein vierstelliger Schaden.
Reifen und Felgen: die unterschätzte Kostenfalle
Ein platter Reifen wirkt zunächst wie eine gewöhnliche Panne. Beim Mietwagen kann daraus trotzdem ein größerer Schaden werden.
Pannenhilfe bedeutet nicht automatisch, dass auch Reifen, Felge und alle Folgekosten bezahlt werden. Der Vermieter kann den Abschlepp- oder Wechselservice organisieren, während Ersatzreifen oder Felgenschaden separat berechnet werden.
Besonders teuer wird es, wenn mit einem platten oder stark druckarmen Reifen weitergefahren wird. Dadurch kann ein reparierbarer Einstich zu einem zerstörten Reifen, beschädigter Seitenwand oder Felgenschaden werden.
Bei einem Reifenschaden sollte das Fahrzeug deshalb möglichst sicher abgestellt und die Pannenhilfe des Vermieters kontaktiert werden.
Wer selbst eine Reparatur oder einen Austausch bezahlt, benötigt für eine spätere Erstattung eine detaillierte Originalrechnung und einen Zahlungsnachweis.
Unterboden: Warum der Vermieter hier genau hinschaut
Unterbodenschäden sind besonders konfliktträchtig, weil sie schnell die Frage auslösen, ob das Fahrzeug innerhalb der erlaubten Nutzung bewegt wurde.
Viele Vermieter erlauben nur Fahrten auf befestigten, öffentlichen oder regulär unterhaltenen Straßen. Offroad-Strecken, Strände, Trails, Wasserquerungen und ungeeignete Schotterwege können ausgeschlossen sein.
Ein Unterbodenkontakt muss dennoch nicht automatisch durch Offroad-Nutzung entstanden sein. Auch eine zu steile Parkhausausfahrt, ein hoher Bordstein, eine Bodenschwelle, ein Schlagloch oder eine beschädigte Zufahrt können den Unterboden treffen.
Im unteren Fahrzeugbereich liegen unter anderem Ölwanne, Auspuffanlage, Katalysator, Leitungen und Teile der Lenkung. Ein harter Kontakt kann Ölverlust, Warnmeldungen, Schleifgeräusche oder Fahruntüchtigkeit verursachen.
Für die spätere Bewertung sind Ort, Hergang und Dokumentation entscheidend.
UMP: Was dieser Schutz wirklich tut – und was nicht
Uninsured Motorist Protection, kurz UMP beziehungsweise UM/UIM, wird häufig mit einem allgemeinen Unfallschutz verwechselt.
Dieser Schutz kann relevant werden, wenn Insassen des Mietwagens durch einen unversicherten oder unterversicherten Unfallgegner verletzt werden oder der verantwortliche Fahrer nach einer Fahrerflucht nicht ermittelt werden kann.
Dann können je nach Vertrag medizinische Kosten, Verdienstausfall und weitere ersatzfähige Personenschäden betroffen sein.
Der Mietwagen selbst ist dadurch nicht automatisch geschützt.
Schäden an Karosserie, Glas, Reifen, Felgen oder Unterboden laufen nicht einfach über UMP. Dafür sind CDW, LDW, DW oder der gebuchte Vermittlertarif zuständig.
Auch ein nachts beschädigter, geparkter Mietwagen ist zunächst ein Sachschaden am Mietfahrzeug. UMP wird nicht allein dadurch zuständig, dass der Verursacher unbekannt oder nicht versichert ist.
Das zweistufige Modell: Was vor Ort passiert und was danach
Der lokale Vermieter rechnet einen festgestellten Schaden zunächst nach seinem eigenen Mietvertrag ab.
Wird eine Position vor Ort nicht durch die lokale Haftungsfreistellung übernommen, kann die hinterlegte Kreditkarte belastet oder ein Teil der Kaution einbehalten werden.
Bei einem deutschen Vermittlertarif mit Erstattungsmodell folgt anschließend ein zweiter Schritt. Der Kunde reicht den Schaden mit den verlangten Unterlagen beim Vermittler beziehungsweise Vertragspartner ein.
Nach Prüfung kann der erstattungsfähige Betrag zurückgezahlt werden. Voraussetzung ist eine vollständige und nachvollziehbare Dokumentation.
Unterlagen für die Erstattung
Verkehrsbußgelder, Strafzettel und zugehörige Verwaltungsgebühren werden üblicherweise nicht erstattet.
Auch Schäden aus nicht autorisierten Fahrern, Alkohol- oder Drogeneinfluss, verbotener Nutzung, grob rücksichtsloser Fahrweise oder Missachtung von Höhenbegrenzungen können ausgeschlossen sein.
Was im Schadensfall konkret zu tun ist
- Steinschlag: Scheibe, Schaden, Kilometerstand und Standort fotografieren. Bei wachsendem Riss oder eingeschränkter Sicht Vermieter kontaktieren.
- Reifenschaden: Sicher anhalten, Warnblinker einschalten und Pannenhilfe anrufen. Nicht unnötig weiterfahren.
- Unterbodenkontakt: Auf Ölverlust, Warnleuchten, Schleifgeräusche und verändertes Fahrverhalten achten.
- Dachschaden: Fahrzeug, Einfahrt, Höhenbegrenzung und Warnschilder fotografieren.
- Unfall: Unfallstelle sichern, Vermieter informieren und nach Möglichkeit Polizei beziehungsweise Highway Patrol verständigen.
- Fahrerflucht: Umgebung, Fahrzeugposition und Schäden dokumentieren und ein Aktenzeichen sichern.
- Rückgabe: Damage Report kontrollieren, Kopie verlangen und jede Belastung dokumentieren.
Passende Ergänzungen: Haftpflicht beim USA-Mietwagen, 10 Millionen Euro Zusatzhaftpflicht, Kreditkarte und Debitkarte sowie der gesamte USA-Mietwagen-Ratgeber.