Die Frage erreicht mich regelmäßig: Lässt sich die 10-Millionen-Euro-Zusatzhaftpflicht einzeln zu einem bereits gebuchten USA-Mietwagen hinzufügen?
10 Millionen Euro Zusatzhaftpflicht
Warum diese Deckung nicht einzeln buchbar ist – und wie das Schichten-Modell beim USA-Mietwagen funktioniert.
Was am freien Markt verfügbar ist – und was nicht
In den USA gibt es sogenannte Umbrella Policies. Sie können hohe Haftpflichtdeckungen oberhalb einer bestehenden Grundversicherung bereitstellen.
Solche Policen richten sich jedoch überwiegend an Personen mit festem Wohnsitz, bestehender US-Haftpflichtversicherung und dauerhaftem Versicherungsverhältnis in den Vereinigten Staaten.
Für einen Touristen, der für zwei oder drei Wochen einen Mietwagen übernimmt, ist dieses Modell regelmäßig nicht zugänglich.
Die Haftpflichtprodukte, die ein Vermieter am Schalter anbietet, erreichen je nach Anbieter und Tarif deutlich niedrigere Summen. Häufig heißen diese Produkte SLP, LIS oder EP.
Eine eigenständige deutsche Einzelpolice, die ohne gebündelten Mietwagentarif zehn Millionen Euro Haftpflichtschutz für einen beliebigen bereits gebuchten USA-Mietwagen bereitstellt, ist am gewöhnlichen Endkundenmarkt praktisch nicht verfügbar.
Das Schichten-Modell: Wie Haftpflicht beim USA-Mietwagen aufgebaut ist
Die Haftpflichtdeckung eines USA-Mietwagens besteht nicht zwingend aus einem einzigen Versicherungsvertrag. Je nach Angebot greifen mehrere Ebenen ineinander.
Schicht 1 – lokale Grund- oder Pflichtdeckung:
In den USA gelten je nach Bundesstaat unterschiedliche Mindestanforderungen. Die konkrete Grunddeckung kann aus einer Versicherung des Vermieters, einer Selbstversicherung des Vermieters oder anderen gesetzlich anerkannten Strukturen bestehen.
Die Beträge und Haftungsgrenzen unterscheiden sich erheblich. Deshalb sollte aus dem Begriff State Minimum keine einheitliche landesweite Summe abgeleitet werden.
Schicht 2 – zusätzliche Haftpflicht des Vermieters:
Unter Bezeichnungen wie Supplemental Liability Protection, Liability Insurance Supplement oder Extended Protection kann der Vermieter eine höhere Deckung anbieten.
Die Höhe hängt von Anbieter, Mietstation, Buchungskanal und Tarif ab. Sie kann beispielsweise im Bereich mehrerer Hunderttausend US-Dollar liegen oder bis zu einer Million US-Dollar reichen.
Schicht 3 – Exzedenten-Haftpflicht:
Diese zusätzliche Schicht wird über bestimmte Reiseveranstalter, Vermittler oder spezialisierte Mietwagenpakete eingebunden. Sie setzt oberhalb der vorherigen Haftpflichtschichten an und erhöht die Gesamtsumme bis zur vereinbarten Deckungsgrenze.
Die Unterschiede zwischen lokaler Grunddeckung und zusätzlichem Haftpflichtschutz werden im Haftpflicht-Ratgeber für USA-Mietwagen ausführlicher erklärt.
Das Schichten-Modell der Absicherung
mit Exzedenten-Schicht
Warum 10 Millionen Euro nicht als Einzelprodukt existieren
Dafür gibt es vor allem zwei strukturelle Gründe.
Das Bündelungsprinzip:
Ein einzelner Urlaubsvertrag mit einem kurzfristigen USA-Haftpflichtrisiko ist für einen Versicherer schwerer zu kalkulieren als ein großes Portfolio mit vielen gleichartig aufgebauten Mietwagenbuchungen.
Reiseveranstalter und Vermittler bündeln eine große Zahl von Verträgen. Dadurch entsteht ein kalkulierbarer Bestand mit wiederkehrenden Bedingungen, dokumentierten Buchungswegen und statistisch auswertbaren Schadensverläufen.
Erst diese Bündelung ermöglicht es, eine hohe Exzedentendeckung zu tragbaren Konditionen in das Gesamtpaket einzubauen.
Das Prozessprinzip:
Im Schadensfall müssen die lokale Haftpflicht, der Vermieter, der deutsche Vermittler und die Exzedentenversicherung sauber zusammenspielen.
Bei einer völlig unabhängigen Einzelpolice entstünden zusätzliche Schnittstellen: Wer prüft zuerst? Welche Deckung ist vorrangig? Welche Unterlagen müssen vom US-Vermieter beschafft werden? Ab welcher Schadenshöhe greift die zusätzliche Police?
Ein gebündeltes Produkt legt diese Zuständigkeiten bereits vor der Reise vertraglich fest.
Wie Touristen trotzdem an diese Deckung kommen
Der Zugang erfolgt über Reiseveranstalter und spezialisierte Mietwagenvermittler, die die Exzedenten-Haftpflicht bereits in bestimmte USA-Tarife integriert haben.
Der Reisende schließt dann keine separate Zehn-Millionen-Police ab. Stattdessen bucht er einen Mietwagentarif, dessen Versicherungs- und Haftpflichtpaket diese Deckung umfasst.
Ob die Deckung enthalten ist, muss aus Angebot, Leistungsbeschreibung und Voucher hervorgehen. Eine allgemeine Aussage über einen Vermittler oder Vermieter reicht nicht aus, weil unterschiedliche Tarife unterschiedliche Leistungen besitzen können.
Auch die Währung ist wichtig. Eine Deckung von zehn Millionen Euro ist nicht dasselbe wie zehn Millionen US-Dollar. Maßgeblich ist die tatsächlich im Tarif genannte Summe.
Welche Tarife für eine konkrete Station und Mietdauer verfügbar sind, lässt sich über die USA-Mietwagensuche prüfen.
Was das im Schadensfall konkret bedeutet
Der Unterschied zwischen einer begrenzten lokalen Haftpflicht und einer Gesamtdeckung bis zehn Millionen Euro wird bei schweren Personen- oder Sachschäden relevant.
Hohe Behandlungskosten, dauerhafte Pflege, Verdienstausfall, Rehabilitationskosten und umfangreiche Schadenersatzforderungen können eine niedrige Haftpflichtsumme deutlich übersteigen.
Die Exzedenten-Haftpflicht greift jedoch nicht automatisch bei jedem beliebigen Ereignis. Sie setzt die darunterliegenden Vertrags- und Haftpflichtschichten voraus und folgt den Bedingungen des gebuchten Tarifs.
Auch bei hoher Deckung bleiben die Vertragsregeln wichtig. Nicht autorisierte Fahrer, Alkohol- oder Drogeneinfluss, vorsätzliche Handlungen, verbotene Fahrzeugnutzung und andere schwere Vertragsverstöße können den Schutz gefährden.
Weitere Hintergründe stehen im Ratgeber zur Haftpflicht beim USA-Mietwagen, im Artikel zu CDW, LDW und Vollkasko sowie im gesamten USA-Mietwagen-Ratgeber.