Tanken in den USA ist für deutsche Reisende heute häufig unkomplizierter als noch vor einigen Jahren. Trotzdem können ZIP-Code-Abfragen, Kartenautorisierungen und unterschiedliche Bezahlabläufe an einzelnen Tankstellen weiterhin irritieren.
Tanken in den USA
Warum es mit Kreditkarte, Apple Pay und Google Pay heute oft einfacher klappt als viele alte Forentipps behaupten.
Für wen dieser Artikel gedacht ist
Dieser Artikel richtet sich an USA-Neulinge, die zum ersten Mal mit einem Mietwagen unterwegs sind und vorher gelesen haben, deutsche Kreditkarten würden an amerikanischen Zapfsäulen grundsätzlich nicht funktionieren.
Weitere häufige Aussagen lauten: Man brauche immer eine amerikanische ZIP-Code-Postleitzahl, müsse grundsätzlich im Shop bezahlen oder solle einfach 00000 beziehungsweise 99999 eingeben.
Solche Tipps kursieren seit Jahren in Reisegruppen, Foren und älteren Ratgebern. Einige hatten in bestimmten Situationen einen wahren Kern. Als allgemeine Regel taugen sie nicht.
Die bessere Einordnung ist nüchterner: Tanken in den USA funktioniert heute häufig unkompliziert. Einzelne ältere Terminals, bestimmte Karten oder abgelegene Tankstellen können weiterhin Probleme verursachen. Wer den Ablauf an der Zapfsäule und die Prepay-Lösung im Shop kennt, bleibt trotzdem handlungsfähig.
Warum das ZIP-Code-Thema früher häufiger genervt hat
Das frühere Problem lag nicht am Mietwagen, sondern an der Zahlungsprüfung vieler amerikanischer Zapfsäulen.
Zahlreiche Pay-at-the-Pump-Terminals nutzten zur Betrugsprävention den Address Verification Service, kurz AVS. Dabei wurde bei der Kartenzahlung die fünfstellige ZIP-Code-Postleitzahl der hinterlegten Rechnungsadresse abgefragt.
Bei amerikanischen Karten ließ sich diese Eingabe mit der US-Rechnungsadresse abgleichen. Bei europäischen Karten war dieser Abgleich oft nicht kompatibel. Eine deutsche Postleitzahl besitzt zwar ebenfalls fünf Stellen, war im amerikanischen System aber nicht als US-Billing-ZIP hinterlegt.
Daraus entstanden verschiedene Reisetipps: die deutsche Postleitzahl, die ZIP des Hotels, eine lokale ZIP oder eine Zahlenfolge wie 00000 eingeben. Keiner dieser Ansätze war eine verlässliche Universalregel.
Mit der Umstellung vieler Zapfsäulen auf modernere Chip- und kontaktlose Zahlungstechnik wurde das Problem kleiner. Transaktionen werden heute häufiger über EMV-Chip, NFC oder Mobile Wallet abgewickelt, statt ausschließlich auf Magnetstreifen und ZIP-Abgleich zu beruhen.
Warum Tanken heute oft einfacher funktioniert
Viele USA-Reisende erleben heute einen deutlich einfacheren Ablauf: Karte einstecken oder kontaktlos vorhalten, Zahlung autorisieren und tanken.
Je nach Terminal funktioniert die Zahlung ohne ZIP-Code, mit der deutschen Postleitzahl oder über Apple Pay beziehungsweise Google Pay. Besonders an großen Ketten, modernen Stationen und viel genutzten Standorten entlang der Interstates ist dieser Ablauf häufig.
Das bedeutet nicht, dass jede Zapfsäule in den USA identisch funktioniert. Eine moderne Station in einer Großstadt kann sich anders verhalten als eine ältere Zapfsäule in einer abgelegenen Region oder in der Nähe eines Nationalparks.
Wer mit einer funktionierenden Kreditkarte, ausreichendem Kreditrahmen und zusätzlich eingerichtetem Mobile Wallet reist, ist heute jedoch besser aufgestellt als Reisende vor zehn oder fünfzehn Jahren.
Kreditkarte, Debitkarte, Apple Pay und Google Pay
Eine echte Kreditkarte ist für viele USA-Mietwagenreisen ohnehin erforderlich, weil sie am Vermieterschalter für die Kaution benötigt wird. Auch beim Tanken ist sie häufig die planbarste Zahlungsart.
Die Tankstelle kennt vor Beginn des Tankvorgangs den endgültigen Betrag noch nicht. Deshalb wird zunächst häufig ein Sicherheitsbetrag autorisiert. Bei einer Kreditkarte reduziert diese Autorisierung vorübergehend den verfügbaren Kreditrahmen.
Bei einer Debitkarte kann derselbe Vorgang direkt das verfügbare Guthaben auf dem Girokonto reduzieren. Die Freigabe kann je nach Bank mehrere Tage dauern.
Apple Pay und Google Pay können an modernen kontaktlosen Terminals besonders praktisch sein. Die Zahlung wird über eine tokenisierte Kartennummer abgewickelt. Dadurch entfällt an manchen Zapfsäulen die zusätzliche ZIP-Code-Abfrage.
Eine Mobile Wallet ist trotzdem keine Garantie. Nicht jede Säule besitzt ein funktionierendes Kontaktlosfeld, und einzelne Tankstellen oder Kartennetzwerke können eigene Einschränkungen haben.
Wenn doch ein ZIP-Code abgefragt wird
Manche Zapfsäulen verlangen weiterhin einen ZIP-Code. Ob die Zahlung anschließend funktioniert, kann von Terminal, Kartennetzwerk, Bank und Kartenart abhängen.
Die eigene deutsche Postleitzahl kann an einzelnen Terminals akzeptiert werden. An anderen Stationen wird sie abgelehnt. Eine Hotel-ZIP oder lokale ZIP entspricht dagegen nicht der Rechnungsadresse der Karte.
Zahlenfolgen wie 00000 oder 99999 werden in Reisegruppen regelmäßig genannt. Sie sind keine verlässliche Standardlösung.
Mehrere falsche Eingaben können wiederholte Autorisierungsversuche auslösen und im ungünstigen Fall eine Sicherheitsprüfung der Bank verursachen.
Prepay im Shop: die sichere Ausweichlösung
Das Prepay-Verfahren ist einfach. Zuerst fährt man an eine freie Zapfsäule und merkt sich deren Nummer. Anschließend geht man in den Shop und nennt Säulennummer sowie gewünschten Betrag.
“Pump five, please.” Säule fünf, bitte.
“Can I prepay 60 dollars on pump five?” Ich möchte 60 Dollar für Säule fünf vorausbezahlen.
“Can I fill up on pump five?” Ich möchte an Säule fünf volltanken.
Nach der Zahlung wird die Zapfsäule freigeschaltet. Danach geht man zurück zum Fahrzeug, wählt die richtige Kraftstoffsorte und beginnt den Tankvorgang.
Erreicht der Tank den vorab bezahlten Betrag, stoppt die Säule automatisch. Ist der Tank vorher voll, beendet die Zapfpistole den Vorgang ebenfalls.
Bei Kartenzahlung wird normalerweise der tatsächlich getankte Betrag endgültig abgerechnet. In der Banking-App kann vorübergehend trotzdem ein höherer Autorisierungsbetrag sichtbar sein.
Bei Barzahlung muss die nicht verbrauchte Differenz nach dem Tanken im Shop abgeholt werden.
Warum manchmal 100 bis 250 USD in der Karten-App stehen
Beim Blick in die Karten-App wirkt es manchmal so, als habe die Tankstelle 150 oder 200 USD berechnet, obwohl nur Kraftstoff für einen deutlich kleineren Betrag getankt wurde.
In vielen Fällen handelt es sich um eine Vorautorisierung und nicht um die endgültige Belastung.
Vor dem Tankvorgang weiß das System nicht, wie viele Gallonen entnommen werden. Deshalb reserviert die Tankstelle zunächst einen Sicherheitsbetrag. Nach dem Tanken wird die Transaktion auf den tatsächlichen Betrag angepasst.
Bei einer Kreditkarte betrifft das den freien Kreditrahmen. Bei einer Debitkarte kann echtes Kontoguthaben blockiert werden.
Wie schnell die Autorisierung korrigiert wird, hängt auch von Bank, Kartenanbieter, Wochenende, Feiertagen und der Darstellung in der Banking-App ab.
Regular, Midgrade, Premium: Welche Benzinsorte passt?
An amerikanischen Zapfsäulen stehen häufig Kraftstoffsorten wie Regular, Midgrade, Plus und Premium. Die angezeigten Oktanzahlen lauten beispielsweise 87, 89, 91 oder 93.
Diese Zahlen wirken niedriger als die in Europa bekannten Werte. Der Grund liegt im unterschiedlichen Messverfahren. In Europa wird überwiegend mit RON beziehungsweise ROZ gearbeitet. In den USA steht an der Zapfsäule meist der AKI-Wert.
Für normale Mietwagen, Standard-SUVs, Minivans und Limousinen ist Regular häufig ausreichend. Entscheidend ist der Hinweis am Tankdeckel, im Fahrzeugdisplay oder in der Bedienungsanleitung.
Steht dort ausdrücklich „Premium Fuel Required“, sollte Premium getankt werden. Steht dort lediglich „Premium Recommended“, kann der Hersteller Premium empfehlen, ohne dass es zwingend vorgeschrieben ist.
Nicht nach der Farbe der Zapfpistole entscheiden. Die Farbkennzeichnung kann von europäischen Gewohnheiten abweichen. Immer die Beschriftung an Säule und Tankdeckel lesen.
Mietwagen-Rückgabe: Warum der Tankbeleg wichtig bleibt
Beim Tanken geht es nicht nur um die Versorgung unterwegs. Für Mietwagenkunden ist auch die Rückgabe wichtig.
Viele USA-Mietwagen werden mit einer Full-to-Full-Regelung gebucht. Das Fahrzeug wird voll übernommen und voll zurückgegeben.
Trotzdem können Nachbelastungen entstehen, wenn der Vermieter den Tank nicht als vollständig gefüllt bewertet oder bei einer kurzen Mietstrecke ein zusätzlicher Nachweis verlangt wird.
Bei kurzen Anmietungen kann die Tankanzeige weiterhin voll erscheinen, obwohl bereits Kraftstoff verbraucht wurde. Einzelne Vermieter verlangen deshalb einen Beleg von einer Tankstelle in der Nähe des Rückgabeortes.
Für die Rückgabe am Flughafen sollte möglichst kurz vorher getankt werden. Eine Tankstelle 80 Meilen vor dem Flughafen ist als Nachweis weniger überzeugend als eine Station wenige Meilen vor der Rückgabe.
- Tankbeleg mit Datum, Uhrzeit und Adresse aufbewahren.
- Foto von Tankanzeige und Kilometerstand aufnehmen.
- Bei defektem Belegdrucker einen Beleg im Shop verlangen.
- Alternativ Zapfsäulendisplay und Kartenumsatz dokumentieren.
- Fuel Level im Rückgabeprotokoll kontrollieren.
- Beleg bis zur endgültigen Mietwagenabrechnung behalten.
Weitere passende Informationen:
Kreditkarte und Debitkarte beim USA-Mietwagen,
SunPass Mini und SunPass PRO
sowie der
gesamte USA-Mietwagen-Ratgeber.