Wer mit einem USA-Mietwagen eine elektronische Mautstraße nutzt, ohne vorher die Abrechnung zu klären, zahlt häufig mehr als nötig. Nicht wegen einer versteckten Falle, sondern weil Mauttarif und Vermieter-Servicegebühr getrennt berechnet werden.
Maut USA Mietwagen
Florida-Roadtrip geplant. Maut nicht geprüft. Was TollPass, Toll-by-Plate, Visitor Toll Pass, E-ZPass und FasTrak tatsächlich kosten können.
Wie Maut in den USA grundsätzlich funktioniert
Die USA stellen ihr Mautsystem seit Jahren auf vollständig elektronische Erfassung um. Mautkabinen mit Bargeldoption verschwinden auf vielen Strecken. An ihre Stelle treten Erfassungsbrücken mit Kameras und elektronischen Sensoren, die Fahrzeuge während der Fahrt identifizieren.
Für Mietwagenfahrer bedeutet das: Auf vielen Straßen gibt es keine Möglichkeit mehr, an einer Mautstelle anzuhalten und bar zu bezahlen. Wer keinen akzeptierten Transponder verwendet, wird häufig über das Kennzeichen erfasst. Dieses Verfahren wird als Toll-by-Plate bezeichnet.
Florida verfügt über ein besonders dichtes Netz aus mautpflichtigen Straßen, Express Lanes und Brücken. Der Florida Turnpike und zahlreiche wichtige Strecken rund um Orlando und Miami arbeiten auf weiten Teilen elektronisch. Ähnliche Systeme gibt es in Texas, im Nordosten und in Kalifornien.
Was der Vermieter berechnet und warum
Mietwagenunternehmen lösen die elektronische Mautabrechnung durch eigene Programme. Diese Systeme sind bequem, weil der Kunde keinen eigenen Transponder benötigt und die Maut später über die hinterlegte Kreditkarte abgerechnet wird.
Bei Alamo funktioniert TollPass in vielen US-Bundesstaaten nicht zwingend wie ein klassisches Zusatzpaket, das separat am Schalter ausgewählt wird. Wird mit dem Fahrzeug eine abgedeckte Mautstraße genutzt, ohne die Maut anderweitig korrekt zu bezahlen, kann die Abrechnung automatisch über das TollPass-System erfolgen.
Die Zustimmung und die möglichen Gebühren ergeben sich aus den jeweiligen Miet- und Mautbedingungen. Deshalb sollte nicht allein darauf vertraut werden, dass am Schalter ausdrücklich nach TollPass gefragt wird.
Wer an sieben verschiedenen Tagen mindestens eine Mautstraße nutzt, erreicht bei einer Tagesgebühr von 4,95 USD bereits die Obergrenze von 34,65 USD. Die eigentlichen Mautbeträge kommen hinzu.
An Tagen ohne registrierte Mautnutzung fällt bei diesem Modell grundsätzlich keine entsprechende Nutzungstagsgebühr an. Das unterscheidet es von Angeboten, die eine Pauschale für die gesamte Mietdauer berechnen.
Die drei Szenarien und was sie kosten
Für einen typischen Florida-Roadtrip ab Orlando International Airport kommen drei grundsätzliche Abrechnungswege infrage.
1. Automatische Vermieterabrechnung
Keine eigene Zahlungsweise wird eingerichtet. Die erste erfasste Mautpassage löst die Abrechnung über das Vermietersystem aus. Zur Maut kommen die vertraglich vorgesehenen Servicegebühren.
2. Vermieterprogramm bewusst nutzen
Vor der Fahrt wird geklärt, dass TollPass oder das jeweilige Vermieterprogramm verwendet wird. Das ist bequem, die Servicegebühren bleiben aber Bestandteil der Abrechnung.
3. Visitor Toll Pass ab MCO
Bei geeignetem Orlando-Roundtrip wird ein kostenloses Besucher-Mautgerät verwendet. Die Maut wird ohne Vermieter-Servicegebühr zum jeweils geltenden elektronischen Tarif abgerechnet.
Florida: Warum dieser Bundesstaat besonders relevant ist
Florida gehört zu den wichtigsten Mietwagenmärkten deutschsprachiger USA-Reisender. Zwischen Orlando, Miami, Fort Lauderdale, Tampa, den Keys und zahlreichen Küstenorten führen viele sinnvolle Routen über mautpflichtige Straßen.
Gerade in den Ballungsräumen gibt es Strecken ohne einfache Bargeldalternative. Wer dort ohne vorher festgelegte Zahlungsweise fährt, landet häufig automatisch in der Kennzeichen- oder Vermieterabrechnung.
Bei tagesabhängigen Servicegebühren kann eine Mitternachtsgrenze eine Rolle spielen. Erfolgen zwei Mautpassagen kurz vor und kurz nach Mitternacht, können sie zwei unterschiedlichen Nutzungstagen zugeordnet werden.
Bei der Alligator Alley sollte nicht pauschal davon ausgegangen werden, dass jede Passage automatisch wie eine normale Toll-by-Plate-Strecke behandelt wird. Entscheidend ist, welche Zahlungswege auf der konkreten Strecke akzeptiert werden und wie das Vermieterprogramm für dieses Fahrzeug eingerichtet ist.
Tarifbedingungen und Mautregelung vor der Reise prüfen.
Der Visitor Toll Pass Orlando: die Lösung, die kaum jemand kennt
Der Visitor Toll Pass ist ein temporäres Mautgerät für geeignete Mietwagenkunden, die über den Orlando International Airport reisen. Das Programm wird von der Central Florida Expressway Authority betrieben und ist kein Produkt eines Mietwagenunternehmens.
Mit dem Visitor Toll Pass werden Mautpassagen direkt über das Besucherprogramm abgerechnet. Die zusätzlichen Convenience Charges des Vermieters entfallen, sofern das Programm korrekt eingerichtet und verwendet wird.
So funktioniert das Programm
- Visitor-Toll-Pass-App vor der Reise installieren.
- Reise und Mietwagen in der App registrieren.
- Pass am Orlando International Airport abholen.
- Gerät nach Anleitung am Rückspiegel beziehungsweise im Fahrzeug anbringen.
- Mautvorgänge während der Reise über die App kontrollieren.
- Pass bei der Rückkehr am Orlando Airport zurückgeben.
Das Programm ist für Reisen gedacht, bei denen der Mietwagen am Orlando International Airport übernommen und dort wieder zurückgegeben wird. Bei einer Einwegmiete von Orlando nach Miami oder zu einem anderen Rückgabeort kann diese Lösung nicht in derselben Form genutzt werden.
Nordosten: E-ZPass und was dort gilt
Im Nordosten der USA ist E-ZPass das dominierende elektronische Mautsystem. Es wird unter anderem in New York, New Jersey, Pennsylvania, Massachusetts, Maryland und weiteren Staaten verwendet.
Die Vermieter-Mautprogramme von Alamo, Enterprise und National können auch Mautpassagen in dieser Region abdecken. Die genaue Abdeckung, die Servicegebühr und mögliche Sonderregelungen hängen vom Vertrag und vom Abholstandort ab.
Bei einer längeren Rundreise durch mehrere E-ZPass-Staaten kann ein eigener Transponder wirtschaftlich werden. Vor dem Kauf muss jedoch geprüft werden, ob ein ausländischer Reisender das jeweilige Produkt problemlos erwerben und das Mietwagenkennzeichen korrekt registrieren kann.
Für einen kurzen Aufenthalt in New York oder eine einzelne Mautpassage ist das Vermieterprogramm meist die einfachere Lösung. Bei einer mehrwöchigen Reise mit täglicher Mautnutzung kann sich der Aufwand eines eigenen Transponders eher rechnen.
Für Fahrten nach Manhattan können weitere Gebühren anfallen. Solche Zonenmauten werden je nach Fahrzeug, Uhrzeit und Zahlungsweg separat erfasst und über das eingerichtete Mautsystem abgerechnet.
Kalifornien: FasTrak und die Golden Gate Bridge
In Kalifornien ist FasTrak das wichtigste elektronische Mautsystem. In der San Francisco Bay Area werden Brückenmauten und Express-Lane-Gebühren elektronisch erfasst.
Bei der Golden Gate Bridge wird die Maut nur in Fahrtrichtung Süden nach San Francisco erhoben. Eine Barzahlung an der Brücke ist nicht vorgesehen. Mietwagenfahrer können je nach Zeitpunkt und Fahrzeug die Maut selbst vorab oder innerhalb des vorgesehenen Zahlungszeitraums begleichen.
Wird die Maut nicht selbst korrekt bezahlt, kann die Abrechnung über das Mautprogramm des Vermieters erfolgen. Dabei kommen zur eigentlichen Brückenmaut mögliche Servicegebühren hinzu.
In Südkalifornien decken Vermieterprogramme nicht zwangsläufig jede Express Lane ab. Bestimmte Toll Roads und Express Lanes werden von unterschiedlichen Betreibern verwaltet und können eigene Registrierungsvorgaben besitzen.
Was konkret zu tun ist – vor der Buchung
Route auf mögliche Mautstraßen prüfen.
Vor der Reise lohnt sich ein erster Blick auf die geplante Route. Navigationsdienste zeigen häufig Mauthinweise, ersetzen aber nicht die Prüfung bei den offiziellen Straßen- und Mautbetreibern.
Abhol- und Rückgabeort gemeinsam betrachten.
Der Visitor Toll Pass kann nur bei passenden Reisen über Orlando MCO genutzt werden. Bei einer Einwegmiete oder Abholung an einem anderen Flughafen gelten andere Möglichkeiten.
Vermieterbedingungen vor der ersten Mautpassage lesen.
Entscheidend sind Tagesgebühr, Maximalgebühr, Mauttarif, regionale Abdeckung und die Frage, ob das Programm automatisch durch die erste Mautnutzung aktiviert wird.
Eigenen Transponder nur nach Prüfung einsetzen.
Das Kennzeichen des Mietwagens muss korrekt registriert sein. Gleichzeitig muss ausgeschlossen werden, dass Vermietertransponder und eigener Transponder dieselbe Passage doppelt erfassen.
Kalifornische Express Lanes gesondert prüfen.
Eine abgedeckte Brücke bedeutet nicht automatisch, dass auch jede Express Lane im selben Programm enthalten ist.
Abrechnung nach der Reise kontrollieren.
Maut- und Servicegebühren können erst Tage oder Wochen nach der Rückgabe auf der Kreditkarte erscheinen. Grund ist die zeitversetzte Übermittlung der Mautdaten vom Betreiber an den Vermieter.